Großes Interesse an Infomarkt in Pfronstetten

Lang anhaltende Diskussionen zu Windenergie auf der „Hohen Buche“

12. Mai 2017: Etwa 200 Besucher sind am 10. Mai in die Albhalle nach Pfronstetten gekommen, um sich über Windenergie zu informieren und zu diskutieren. Speziell der mögliche Windparkstandort „Hohe Buche“ auf dem Gemeindegebiet Pfronstettens stand dabei im Mittelpunkt. An sieben Ständen konnten interessierte Bürgerinnen und Bürger sich informieren, Fragen stellen und sich austauschen: mit Vertretern von Gemeinde, Bürgerinitiative, Behörden, Forst, BUND, Planungsbüro und einem Experten für Akustik und Infraschall. Noch lange nach dem eigentlichen Ende der Veranstaltung blieben die Besucher und diskutierten weiter.

Eingeladen hatte die Dialoggruppe Windenergie „Hohe Buche“, die sich auf Initiative des Forums Energiedialog und der Gemeinde im Dezember 2016 gebildet hatte. Bürgermeister Reinhold Teufel betonte in seiner Begrüßung, dass die Gemeinde keine Entscheidungen über Windenergie treffen wolle, ohne sich vorher mit den Bürgerinnen und Bürgern ausgetauscht zu haben. Aktuell steht für Pfronstetten eine Stellungnahme zu Vorranggebieten des Regionalverbands Neckar-Alb an. Außerdem wird der Gemeinderat darüber beraten, ob er einen Flächennutzungsplan für Windenergie aufstellt. Darüber informierten Ulrich Thomas vom Planungsbüro Künster und Bürgermeister Teufel am gemeinsamen Infostand. Teufel plädiert für einen Flächennutzungsplan. „Wir wollen selbst steuern, wo wir die Anlagen haben wollen“, begründete er dies.

Die Bürgerinitiative Gegenwind Pfronstetten spricht sich gegen Windenergie auf der Alb aus. Sie sorgt sich um den Erhalt der Landschaft, die den Menschen in der Region sehr wichtig sei und nicht Profitinteressen geopfert werden solle, hob Sprecher Thomas Wagner hervor. Außerdem treibt die Mitglieder der Initiative die Sorge um, Windenergieanlagen könnten den Menschen gesundheitlich schaden. Waltraud Geiselhart und Thomas Goerlich vom BUND Reutlingen Alb hoben dagegen die Bedeutung der Energiewende für die Lebensgrundlagen künftiger Generationen hervor. Man mache es sich nicht einfach, sehe aber die Notwendigkeit, von Kohle und Atomstrom wegzukommen und gegen den Klimawandel anzugehen. Dazu brauche man auch die Windenergie.

Großes Interesse beim Thema Schall und Infraschall

Großer Andrang herrschte am Infostand von Akustiker Christian Eulitz vom Ingenieurbüro Möhler und Partner, der unter anderem als öffentlich bestellter Gutachter für Lärmschutz arbeitet. Er leitet für das Umweltbundesamt eine großangelegte Studie zu den Wirkungen von Infraschall. Eulitz beantwortete Fragen dazu, wie man Schall und Infraschall von Windenergieanlagen misst und bewertet, wie man Wirkungen auf den Menschen feststellt und welchen Vorgaben von Behörden es dazu gibt.

Sowohl die Bürgerinitiative als auch der Projektentwickler wpd zeigten an ihren Infoständen Fotosimulationen des geplanten Windparks im benachbarten Oberstetten und der denkbaren Windräder, die auf Pfronstetter Seite hinzukommen könnten. Da die beiden Versionen offensichtlich sehr unterschiedlich ausgefallen waren, ergab sich daraus eine lebhafte Diskussion über die Realitätsnähe der verschiedenen Bilder. Neben den konkreten Planungen und Überlegungen für Windenergieanlagen in Oberstetten und Pfronstetten beantworteten die wpd-Mitarbeiter Sebastian Grosch, Jörg Dürr-Pucher und Falco Engelfried auch Fragen zur Sinnhaftigkeit der Nutzung von Windenergie in Baden-Württemberg. Der Windstrom werde doch gar nicht benötigt und verstopfe die Netze, so eine Vermutung aus dem Publikum. Dem entgegnete Dürr-Pucher, dass mittlerweile die Stromnetze auch temporäre Anteile von über 80 Prozent Windstrom verkraften könnten, weil die Beiträge von Strom aus fossilen Quellen entsprechend heruntergefahren werden könnten.

Landratsamt prüft jeden Fall einzeln – kein Winpark ohne Genehmigungsverfahren

Über den Ablauf von Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagen gaben Claudius Müller vom Landratsamt Reutlingen und Jeanine Großkloß vom Regierungspräsidium Tübingen Auskunft. Wolle man das komplizierte Verfahren erklären, müsse man weit ausholen. In jedem Fall würden Windenergieanlagen nur nach ausführlicher Prüfung genehmigt, sagte Großkloß. Ein wichtiger Pfrüffaktor sei in der Region der Artenschutz. Vor allem das Vorkommen von Rotmilanen stünde an vielen Standorten dem Bau von Windenergieanlagen in der Region entgegen, so Müller. Dies prüft die Behörde im Einzelfall.

Waldflächen, die für den Bau von Windenergieanlagen und die Zuwegung gerodet werden müssten, aber für den späteren Betrieb nicht benötigt werden, müssen wieder aufgeforstet werden, erläuterte Pfronstettens Revierförster Peter Ostertag. Für die Flächen, die dauerhaft gerodet bleiben, müsse ein Ausgleich an anderer Stelle geschaffen werden. Da das denkbare Wind-Vorranggebiet „Hohe Buche“ in Pfronstetten zu einem großen Teil auf Flächen des Staatsforstes liegt, war Ostertag zusammen mit Juliane Spiegelhalter und Bonnie Klein von der Forstdirektion (Forst BW) an einem Infostand vertreten. Sie zeigten Karten und Pläne des Gebietes und erläuterten, unter welchen Voraussetzungen Forst BW Waldflächen für Windenergieanlagen verpachtet. Eine andere Abteilung beim Staatsforst äußert sich in Genehmigungsverfahren dazu, ob sie aus naturschutz- und forstfachlicher Sicht Windkraftanlagen in einem bestimmten Waldgebiet für vertretbar hält. Hierüber konnten die Besucher sich bei Matthias Schappert informieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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